Regenbogen-Verein lehnt Angebote der Kurverwaltung ab!

30.03.2012

Der Regenbogen-Verein für Schwule und Lesben in der Hansestadt Stralsund wird am 17.Mai 2012, am Internationalen Tag gegen Homophobie, die Regenbogenfahre im Ostseebad Binz hissen, das ist die gute Nachricht

Der Regenbogen-Verein für Schwule und Lesben in der Hansestadt Stralsund wird am 17.Mai 2012, am Internationalen Tag gegen Homophobie, die Regenbogenfahre im Ostseebad Binz hissen, das ist die gute Nachricht. Auch wird der Verein einen Infostand zu schwul/lesbischen Themen sowie zur Aufklärung über den Internationalen Tag gegen Homophobie anbieten. Dies allerdings - und das ist die traurige, gar tragische Nachricht - ohne Unterstützung durch die Verwaltung des Ostseebades. Wie die Presse in den letzten Tagen und Wochen berichtete, stellte der Verein einen Antrag, der sowohl die Fahnenhissung als auch den Infostand vorsah. Kurz und gut: Das Hissen der Regenbogenfahne stellt für die Verwaltung kein Problem dar. Schwieriger gestaltet es sich wohl mit einem Infostand. In erster Instanz wurde dieser Stand abgelehnt, was natürlich zu einer Welle der Empörung führte. Wie ein Lauffeuer ging die Nachricht durch das gesamte Land, zahlreiche Medien berichteten, schwul/lesbische Internetforen empörten sich, Bürger - ob homo- oder heterosexuell - meldeten sich zu Wort.

Der Verein selbst reagierte gelassen. Eine Presseerklärung wurde veröffentlicht, die Fakten wurden auf ihre Tatsächlichkeit reduziert. Von einer Demonstration wurde in den Pressemeldungen berichtet, eine Demonstration war allerdings zu keiner Zeit geplant. Von betrunkenen Herrentagsausflüglern war die Rede, die auf die Homosexuellen treffen könnten und Ärger sei dann sowieso vorprogrammiert. Der Zusammenhang, aus dem diese Aussage gerissen sein soll, erschließt sich auch nach längerem Nachdenken nicht, wurde auch nie erklärt. Ein Gespräch zwischen dem Bürgermeister des Ostseebades mit dem Vorstandsvorsitzenden des Regenbogen-Vereins sollte Klärung bringen, zumindest sah es danach aus.

Ein zweiter Antrag wurde gestellt, mit der Bitte um einen Infostand »in Sichtweite der Regenbogenfahne". Dieser Antrag umfasste ebenso eine persönliche Einladung des Bürgermeisters mit der Option einer kleinen Ansprache im beschaulichen Rahmen. Die Antwort fiel anders aus, anders als erwartet. Zum einen antwortete nicht der Bürgermeister, sondern der stellvertretende Kurdirektor, zum anderen kann der Inhalt der Antwort nur als purer Hohn angesehen werden. Als Standorte für den Infostand standen zur Auswahl: Der Kleinbahnhof, der Kurpark oder der Schmachter See. Also nicht in Sichtweite zur Regenbogenfahne aber dafür »Jwd" - Janz weit draußen. »Unser Verein hat in der Vergangenheit des Öfteren Anträge für einen Infostand in verschiedenen Städten in Mecklenburg-Vorpommern gestellt. Darunter waren, selbst für uns bedenkliche Orte wie Grimmen oder Wolgast. Grimmen in so fern, da sich unser Infostand in 50 Metern Luftlinie zum örtlichen NPD-Wahlkreisbüro befand. Wolgast ist auch nicht gerade für seine Homofreundlichkeit bekannt. Was aber zumindest diese beiden Orte dem Ostseebad Binz voraus haben, ist die Tatsache, dass ein Infostand ohne Beanstandungen innerhalb kürzester Zeit bewilligt wurde. Die Erlebnisse die wir bei der Durchführung dieser öffentlichen Infoveranstaltungen gemacht haben, waren durch die Bank weg positiv. Überall hat man uns zentrale Plätze mit entsprechender Öffentlichkeitswirkung zur Verfügung gestellt, und stand ein beantragter Standort nicht zur Verfügung, wurde uns eine attraktive Alternative angeboten. In Binz heißt es, das sei nicht üblich. Man möchte uns erst gar nicht und dann irgendwo im Nirgendwo haben. Deshalb hat sich der Vorstand unseres Vereins dazu entschlossen, alle drei Durchführungsorte abzulehnen", so Martin Braun, Vorstandsvorsitzender des Vereins. »Man muss sich mal vor Augen halten, dass Herr Sellering, unser Ministerpräsident in diesem Jahr die Schirmherrschaft über die zwei größten schwul-lesbischen Veranstaltungen im Land übernimmt, gerade vor diesem Hintergrund ist es für uns unverständlich, dass man sich auf kommunaler Ebene so ziert.".

Glücklicherweise gibt es in Binz nicht nur eine Verwaltung, zahlreiche Bürgerinnen und Bürger sowie Hoteliers/Gastronomen brachten ihre Empörung zum Ausdruck. Dazu zählte das absolute Unverständnis der Engstirnigkeit im Umgang mit der Thematik. Ebenso gab es konkrete Vorschläge und Anfragen, wie man die Vorhaben des Vereins unterstützen kann. Die Lösung ist gefunden. Dank eines Hoteliers, der die Ziele des Vereins unterstützen möchte, wird es einen Infostand an der Binzer Promenade geben. Ziel ist es nicht, möglichst medienwirksam Stimmung gegen das Ostseebad Binz zu machen, sondern Aufklärungsarbeit über die Bedeutung des Datums (Internationaler Tag gegen Homophobie) zu leisten und um Verständnis für andere Lebensmodelle zu werben, die mittlerweile eigentlich selbstverständlich sein sollten. »Informationen finden Interessierte auf unserer Homepage www.regenbogen-hst.de, unser Dank gilt allen, die uns in den letzten Tagen unterstützt haben. Dies gilt nicht nur für unsere Vereinsmitglieder, ebenso bedanken wir uns bei den Bürgerinnen und Bürgern im ganzen Land sowie allen Binzern, die sich gegen Homophobie im Ostseebad aussprechen. Letztlich gilt unser Dank auch der Verwaltung des Ostseebades, denn immerhin wurde zumindest das Hissen der Regenbogenfahne genehmigt. Was dennoch bleibt, ist ein bitterer Nachgeschmack. Für uns ganz klar ein Trauerspiel. Dennoch hoffen wir auf reges Interesse aller Binzer und deren Gäste am 17. Mai 2012. Wie sich zeigt, ist es mehr als nötig auf Deutschlands größter Insel für Akzeptanz und Toleranz zu werben", so Braun abschließend.

Chronik

13.10.2011 Antrag an den Bürgermeister des Ostseebad Binz Karsten Schneider auf Flaggen der Regenbogenfahne am Seebrückenvorplatz und Antrag auf Standgenehmigung auf dem Seebrückenvorplatz.
01. 11.2011 Antwort des Bürgermeister des Ostseebad Binz Karsten Schneider mit dem Hinweis, dass er den Antrag vom 13.10.2011 dem Hauptausschuss am 28.11.2011 vorlegt.
30.11.2011 Antwort des Bürgermeister des Ostseebad Binz Karsten Schneider mit der Genehmigung zum Flaggen der Regenbogenfahne am Seebrückenvorplatz. Desweitern der Hinweis, dass der Seebrückenvorplatz in die Zuständigkeit der Kurverwaltung, welche ein Eigenbetrieb der Gemeinde Ostseebad Binz ist, fällt. Und der Antrag auf Standgenehmigung an die Kurverwaltung gestellt werden müsse.
04.01.2012 Antrag an die Kurverwaltung Binz auf Standgenehmigung auf dem Seebrückenvorplatz und bitte um technische und finanzielle Unterstützung.
06.03.2012 Antwort der Kurverwaltung Binz. Ablehnung zum Antrag auf Standgenehmigung auf dem Seebrückenvorplatz und Ablehnung technischer als auch finanzieller Unterstützung.
07.03.2012 Telefonat zwischen Bürgermeister des Ostseebad Binz Karsten Schneider und Herrn Martin Braun Vorstandsvorsitzender des Regenbogen-Verein
09.03.2012 Antrag an den Bürgermeister des Ostseebad Binz Karsten Schneider auf Standgenehmigung in Sichtweite der Regenbogenfahne.
24.03.2012 Antwort durch die Kurverwaltung Binz mit drei Standorten außerhalb der Sichtweite zur Regenbogenfahne.
30.03.2012 Schreiben an den Bürgermeister des Ostseebad Binz Karsten Schneider mit Ablehnung der durch die Kurverwaltung angebotenen Standorte.


Verfasser Christian Thun
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