Rattenfleisch steht in Kambodscha auf dem Speiseplan
Gegrillt, gekocht, gebraten: Frisch von den Reisfeldern werden Ratten in den Restaurants zur Delikatesse erklärt.
Normalerweise sind Ratten für die meisten Restaurants ein Grauen. Doch in der kambodschanischen Provinz Battambang gelten sie als Delikatesse. Kenner lieben die Tiere, die sich auf den Reisfeldern vollgefressen haben, gegrillt, gekocht oder gebraten mit Zitronengras, Kurkuma und Knoblauch. Battambang, 300 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Phnom Penh, ist die Reiskammer des Landes. Und mit der Reisernte beginnt die Saison für Rattenfleisch, die den Händlern ein Riesengeschäft verheißt.
Reisfeld-Ratten. Die 24 Jahre alte Gastronomin Chhrut Hen betreit mit ihrer Familie zwei Restaurants in einer belebten Imbiss-Meile gegenüber dem Krankenhaus von Battambang. Zu Wein und Bier müssen sich die Kunden monatelang mit einfachen kleinen Snacks wie getrockneten Rochen oder Tintenfisch zufrieden geben. Aber sobald es Rattenfleisch gibt, kommt das Geschäft in Schwung. "Wir können in der Ratten-Saison etwa 200 Dollar (ca. 154 Euro) zusätzlich verdienen", berichtet die 24-Jährige. Es werden jedoch nur Ratten von Reisfeldern, niemals Stadt-Ratten serviert, betont sie.
Ansturm. Auch im vornehmen Gartenrestaurant in der Nachbarschaft bereitet sich Srey Mom auf den Ansturm zur Ratten-Saison vor. Die Gäste sitzen in strohgedeckten Hütten, statt Reiswein trinken sie importiertes Bier oder Whisky. Die auf den Reisfeldern gemästeten Ratten, sagt die Gastronomin, passen perfekt zu jedem Getränk. "Die ersten Ratten der Saison sind teurer und dünner. Sie haben noch nicht so viel Fleisch", sagt sie. Dennoch kauften die Leute, weil sie den Geschmack so lange vermisst hätten. Für Choy Roeun, ebenfalls Verkäuferin auf der Snack-Meile, signalisiert der Start der kurzen Saison für Rattenfleisch einen Boom ihres Geschäfts. Dadurch könne sie ihr Restaurant auch während Saure-Gurken-Zeiten im restlichen Jahr über Wasser halten. "Rattenfleisch ist nicht nur für Reiche oder Arme. Jeder genießt es", sagt sie. Doch der Meinung, exotisches Fleisch schmecke immer etwas nach Huhn, widerspricht sie energisch. "Oh nein", sagt sie, "Ratte schmeckt viel eher nach Schlange."