Seit dem Aufkommen von Techno als
musikalischer Stilrichtung und
Jugend-kultur in den frühen 1990er Jahren
ist Vieles und viel Kontroverses
geschrieben worden. Kaum ein anderes
popmusikalisches Phänomen scheint die
populäre Kultur des ausgehenden 20.
Jahrhundert stärker geprägt und treffender
repräsentiert zu haben als Techno:
Traditionelle Gegensätze wie Spaß und
Widerstand, Kommerz und Individualität,
Konsum und Ideologie sowie Technik und
Körper scheinen sich hier neu miteinander
verbunden zu haben.
Zweifelsohne hat diese ‚Bewegung' - wie
die erweiterte Techno-Szene unter
Einschluß ihrer Mitläufer ebenso häufig
wie ungenau bezeichnet worden ist -
mittlerweile ihren Zenit überschritten:
Techno ist längst im etablierten Pop-Kanon
angekommen und hat die pop-typischen
Entwicklungen (etwa interne
Diversifizierung und Hierarchisierung,
Subszenenbildung, Kommerzialisierung,
Standardisierung etc.) durchlaufen. Die
Grundidee von Techno als einer auf
elektronischer Musik basierenden
Partykultur hat sich veralltäglicht, der
Nimbus des Frischen, Aufbruchsartigen ist
verschlissen.
Nicht, dass es sie überhaupt nicht mehr
gäbe: Es gibt sie durchaus noch, die
gu-ten alten Techno-Partys - mit ihrer
stark repetitiven, elektronisch
produzierten (Tanz-)Musik, bei der vom DJ
einzelne Versatzstücke (‚tracks'

so
‚kunstvoll' ineinander gemischt werden,
daß ein durchgängiger Sound-Teppich -
typischerweise im 4/4-Takt - entsteht, der
aus riesigen Lautsprechern wummert, deren
Anordnung einen Klang-Raum ‚von allen
Seiten' erzeugt; mit ihren mitunter
gigantischen Laseranlagen und Light-Shows,
die diesen Raum in einer ‚Orgie' aus
Lichtern und Farben gleißend hell
erstrahlen lassen und dann wieder in ein
geheimnisvoll nebelumwobenes Dunkel
hüllen; mit dem Schreien und Jubeln der
schweißglänzenden Tänzer, die den Takt der
Musik in den Boden stampfen und ihre Arme
mit den Ausschlägen der Musik in die Luft
reißen; das Feiern ‚bis zum Umfallen' und
das ‚relaxte' Chillen im Kreise der
Freunde, die ge-meinsam ihre Freude am
Spaß und ihren Spaß an der Freude
zelebrieren.
‚Spaß' ist die oberste Maxime jener
musikzentrierten Jugendkultur, die seit
über einem Jahrzehnt unter dem Etikett
‚Techno' firmiert, das sich in den frühen
1990er Jahren als Label für eine sich im
Laufe der 1980er Jahre etablierende
elektronische Tanzmusik durchgesetzt hat
und mittlerweile als Sammelbezeich-nung
für eine große Anzahl vielfältiger,
elektronisch erzeugter
Musiks